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Marion Ammicht in Bayern: Das will die Journalistin von den Schülern wissen

Marion Ammicht (32. Lehrredaktion) ist freie Kulturjournalistin und Filmautorin. Sie schickte den Schülern im St. Bonaventura-Gymnasium in Dillingen an der Donau schon vor ihrem Besuch einen Fragebogen: Was wir Journalisten euch Schüler schon immer mal fragen wollten.

Alle DJS-Alumni, die für #journalistenschule in ihre alten Schulen zurückgekehrt sind, hatten das gleiche Ziel: Mit Jugendlichen über Journalismus reden.

Wie sie das tun, war den Journalisten jedoch freigestellt. Und so sind ganz unterschiedliche Methoden entstanden. Marion Ammicht wollte zunächst einiges von den Schülerinnen und Schülern wissen:

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Niclas Seydack in Schleswig-Holstein: Über Hasskommentare und journalistische Kompetenz

Niclas Seydack (55. Lehrredaktion) ist für #journalistenschule 850 Kilometer quer durch Deutschland gefahren, von München nach Bad Schwartau an das Leibniz-Gymnasium. Er schreibt heute für Vice und 11Freunde. Am Tag der Pressefreiheit sprach er über seine Erfahrungen.

Was haben Sie vor Ihrem Besuch erwartet?

Ich dachte, die Schülerinnen und Schüler hätten kein Interesse an der Aktion und ich müsste erst einmal eine Faszination für unsere Arbeit und den Beruf schaffen.

Wie war es wirklich?

Sie waren deutlich interessierter, als ich erwartet habe. Wenn ich daran denke, was mich mit 16 interessiert hat, waren die Jugendlichen heute besser vorgebildet. Sie haben sehr präzise Fragen gestellt. Über Kriegsjournalismus zum Beispiel. Spannend fand ich auch die Frage, ob ich mich in meinem Beruf durch die deutsche Sprache eingeschränkt fühlen würde. Weil ich dadurch ja den Rest der Welt ausschließen würde. 

Gab es denn einen Fake-News-Anhänger? „Niclas Seydack in Schleswig-Holstein: Über Hasskommentare und journalistische Kompetenz“ weiterlesen

Florian Neuhann in Nordrhein-Westfalen: Facebook? „Nee, da ist meine Oma!“

Florian Neuhann (39. Lehrredaktion) ist Hauptstadtkorrespondent des ZDF. Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Remscheid sprach er zu 230 Schülern, der Schuldirektion und einem Lokalreporter. Die Schüler sagten ihm: Facebook ist längst out.

Florian Neuhanns Fazit:

„Witzigste Frage an mich: Haben Sie schon einmal eine Strafe bekommen, weil Sie einen Fehler geschrieben haben? Spannendste Debatte: Mit einem deutsch-türkischen Schüler, den türkische TV-Nachrichten am meisten ansprechen.“

 

Nathalie Stüben in Bayern: Haben Sie schon mal Zensur erlebt?

Nathalie Stüben (52. Lehrredaktion) arbeitet heute beim Bayerischen Rundfunk. Am Tag der Pressefreiheit hat sie sich von Elftklässlern des Rosenheimer Karolinen-Gymnasiums über Journalismus ausfragen lassen. Ein Gesprächsprotokoll.

 

Schüler: “Haben Sie schon mal Zensur erlebt?”

Nathalie Stüben: “Von Regierungsseite aus noch nie.”

Schüler: “In Ihrer Redaktion? Beim Bayerischen Rundfunk?”

Nathalie Stüben: “Einmal, ja. Vor rund einem Jahr habe ich eine Künstlerin porträtiert, die eine Art Doppelleben führt. Hier in Bayern spielt sie Volkstheater – und das ziemlich erfolgreich. Was aber kaum jemand weiß: In Berlin produziert sie Elektromusik und malt Pornos. Bei den Pornos handelt es sich um Ölgemälde. Geschlechtsteile auf Leinwand sozusagen.”

Der Deutschlehrer zieht eine Augenbraue hoch.

Nathalie Stüben: “Bei der Abendschau sagten sie mir: ‘Nathalie, bei aller Liebe, wir sind immer noch der Bayerische Rundfunk. Mach Dein Porträt, aber mach’s ohne die Porno-Bilder.’”

Schüler: “Und?”

Nathalie Stüben: “Das habe ich dann gemacht, mit Detailaufnahmen, auf denen man die ganzen Penisse und Schamlippen nicht mehr erkennen konnte.”

Schüler: “Aber das ist doch eigentlich schade.”

Nathalie Stüben: “Finde ich auch.”

Lehrer: “So oft wurde in meinem Unterricht noch nie ‘Porno’ gesagt. Aber in dem Fall ist das in Ordnung.“

Vanessa Vu und Wolfgang Aigner in Bayern: Zwei Journalisten-Generationen

Vanessa Vu (54. Lehrredaktion) arbeitet heute bei ZEIT Online und war mit Wolfgang Aigner vom Bayerischen Rundfunk an ihrem ehemaligen Gymnasium in Pfarrkirchen. Ein Gespräch über Journalismus aus zwei Perspektiven. 

„Es war super spannend, Journalismus aus den Blickwinkeln der zwei Generationen zu erklären. Er erzählte Reagan-Anekdoten aus seiner Zeit als US-Korri, ich von Terrorberichterstattung heute. Er sprach über Öffentlich-Rechtliche und Radio, ich über Online und multimediales Arbeiten. Er erhielt Morddrohungen, weil er die morgendliche Volksmusik-Sendung abschaffte, und ich, weil ich über Migration berichte und einen Migrationshintergrund habe.“
Mit den Schülern diskutierten die beiden unter anderem über Rundfunkgebühren, ob man unter Zeitdruck überhaupt seriös berichten kann, und wie Journalisten zu ihren Infos kommen. „Am Ende hielten wir beide Plädoyers für unseren Beruf und waren uns einig: Egal, wie schwierig es manchmal ist und wie viel Hass man abbekommt: Es ist der schönste Beruf der Welt.“

Reaktion eines Schülers auf den Besuch von Markus Jox: Diskussion auf Augenhöhe

Nach dem Gespräch mit Markus Jox (39. Lehrredaktion) meldete sich ein Schüler auf Twitter zu Wort. Gerrit (@Viking_Lord_) macht normalerweise Webvideos, unter anderem zu Gaming und Animes. Hier postete er seine Eindrücke von dem Besuch

Lisa Altmeier in Rheinland-Pfalz: Offene Debatte über Journalismus und Geld

Lisa Altmeier (50. Lehrredaktion) reist für das Projekt Crowdspondent um die Welt und berichtet darüber. Sie arbeitet unter anderem für den Bayerischen Rundfunk (PULS Reportage), das ZDF und die Süddeutsche Zeitung. Für #journalistenschule besuchte sie das Marion-Dönhoff-Gymnasium Lahnstein und die örtliche Berufsschule. 

Das Journalistenleben im Jahr 2018 ist ein trauriges: Wir gehören zu den unbeliebtesten Berufsgruppen, kaum einer vertraut uns und die Leute können unsere Arbeit immer schlechter von Werbung unterscheiden.

Zeit, etwas zu tun! Wir, die Alumni der DJS – Deutsche Journalistenschule München, sind davon überzeugt, dass wir in Zeiten von „Fake News“ und „Lügenpresse“-Rufen unsere Arbeit viel besser erklären müssen.

Deshalb gehen wir zum Tag der Pressefreiheit an unsere alten Schulen. Auch ich war an meiner Schule und an der örtlichen Berufsschule.

Die größte Herausforderung war es, den Abikurs bei Laune zu halten. In der Klasse waren nämlich aufgrund der Abi-Mottowoche sämtliche Schüler als ABC-Schützen verkleidet und noch etwas müde vom Feiern …

Wie ihr übrigens anhand des Fotos erahnen könnt, wurde es von einem Lehrer gemacht. Beim nächsten Mal würde ich eher einen kompetenten Schüler der Generation Instagram fragen.

„Hat euch in letzter Zeit ein Artikel/Bericht genervt oder aufgeregt?“ habe ich gefragt. Aus dieser Frage ergaben sich in alle vier Klassen spannende Diskussionen, unter anderem zu Kollegah und dem (inzwischen verschwundenem) Echo.

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Ursula Ott in Baden-Württemberg: Über kritische Berichterstattung und Zeitdruck

Ursula Ott (Lehrredaktion 22) ist seit 2015 Chefredakteurin von „chrismon“. Im Rahmen der Aktion #journalistenschule hat sie am 30. April das Welfengymnasium in Ravensburg besucht und ist auf kritische Schüler gestoßen.

Ausgerechnet heute – mein eigener Sohn lernt auf seine letzte Abiprüfung – gehe ich zurück an meine Schule, an der ich 1982 Abitur gemacht habe. Zum ersten Mal übernachte ich im Heimatort Ravensburg im Hotel. Im Gasthof zum Engel, wo ich 1983 für meine Bewerbungsreportage an der DJS („Ein Tag als Kellnerin“) gekellnert habe. Und glatt nach München eingeladen wurde. Juhu!

Richtig viel Zeit für Nostalgie bleibt nicht, hier fängt der Unterricht um 7.30 Uhr an, ich soll um 7.15 Uhr beim Schulleiter sein. Grade noch Zeit, das schwarze Brett zu scannen, aha, es gibt eine Party-AG und eine Wintersport-AG. Sehr sympathisch. Und im Sport-Abi prüfen sie jetzt auf dem Schwebebalken die beidbeinige halbe Drehung im Ballenstand. Alptraum. Was bin ich froh, dass ich seit Mai 1982 nie wieder einen Schwebebalken malträtieren musste.

Machen Sie sich auf kritische Schüler gefasst“, sagt Gemeinschaftskunde-Lehrer Raphael Schwendele, der so jung ist, dass er 1982 noch nicht mal geboren war. Moderner guter Lehrer, hat die Jungs und Mädels längst mit Fake News, Populismus und Filterblasen bekannt gemacht. Und tatsächlich – es wird sehr kontrovers. Größter Vorwurf: Ihr verschweigt uns die Hälfte! Ihr wollt uns Eure Meinung aufdrücken! Zensur! „Ursula Ott in Baden-Württemberg: Über kritische Berichterstattung und Zeitdruck“ weiterlesen

Dirk Hansen in Bremen: Medienkompetenz aus Sicht des Wissenschaftlers

Dirk Hansen (22. Lehrredaktion) ist nach vielen Jahren Berufspraxis bei Radio Bremen in die Wissenschaft gegangen. Er forscht zum Thema Medienwandel an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Für #journalistenschule hat er schon vor einigen Monaten ein Schulzentrum in Bremen-Walle besucht.

Schule machen – wie geht das künftig im Schlüsselfach Medienkompetenz? Wichtige Frage, denn schließlich wird im Klassenraum das Informationsverständnis der Zukunft ausgebildet. Da muss sich nun auch der Journalismus stärker einbringen.

Eine “Überlebenskompetenz” sei die Medienkompetenz, sagt zum Beispiel die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt(brema), Cornelia Holsten. Da würde ihr der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Pörksen vermutlich zustimmen. Der “redaktionellen Gesellschaft”, in der wir mittlerweile lebten, diagnostiziert er eine bedenkliche “Große Gereiztheit”. Und sein Kollege Lutz M. Hagen von der TU Dresden kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, “dass Nachrichtenkompetenz in der schulischen Bildung vernachlässigt wird.”

Soweit der erzieherische Blick. Jugendliche Nutzer/innen machen ihre eigenen Beobachtungen: Journalisten “stehen unter Sensationsdruck”, berichten “oft ohne Kontext” und “reden manchmal einfach Quatsch”. Vor allem “sind sie hinter dem Format kaum noch sichtbar”. So sehen es Leonie, Nesrin, Lars und Ahmad, die allesamt die Oberstufe an einem Bremer Schulzentrum besuchen.

Wie auch immer man die Sache anguckt – es besteht kommunikativer Handlungsbedarf. Für die Journalisten ist die Kluft zu Teilen der Gesellschaft gefährlich abgründig geraten. Das geht von Irritationen bis hin zur offenen Aggression. Auf Grundvertrauen können die Informationsprofis nicht mehr bauen. Sie brauchen ein tieferes (Ein-) Verständnis für ihre Arbeit und müssen sich deshalb schleunigst auf ihr Publikum zubewegen. „Dirk Hansen in Bremen: Medienkompetenz aus Sicht des Wissenschaftlers“ weiterlesen

Dirk von Gehlen in Nordrhein-Westfalen: Keine Panik vor Fake News

Der Autor und Journalist Dirk von Gehlen (Lehrredaktion 34A) war am 23. April in seiner alten Schule in Mülheim an der Ruhr. Dort hat er darüber gesprochen, warum freie Presse wichtig ist, wie man sich im Netz orientiert und was man tun kann.

Nach der zweiten großen Pause wird aus der kleinen Idee eine unbestreitbar große Sache, zumindest für mich. Ich stehe vor einer neunten Klasse meiner ehemaligen Schule im Ruhrgebiet und beginne gerade die dritte Runde einer Medienkompetenz-Schulung im Rahmen des Projekts #journalistenschule der DJS als einer der Schüler mich erwischt: „Ich glaube“, sagt er kurz nach der Begrüßung, „Sie waren mit meinem Vater in einer Klasse.“ Den Vormittag über habe ich mit drei weiteren neunten Klassen über verlässliche Quellen, den Pressekodex, Qualitätsjournalismus und das Projekt #gegendiepanik gesprochen. Dabei habe ich mich – trotz zahlreicher anderslautender Zeichen – beständig dagegen gewehrt, wehmütig zu werden.

Doch dann stehen plötzlich seine Worte im Raum und ich versuche in seinem Gesicht eine Ähnlichkeit zu finden, zu den Gesichtern, die ich sah als ich zum letzten Mal in dieser Schule war. Das ist fast 25 Jahre her – allein diese Zahl würde ausreichen, um mir mein Alter und die Vergänglichkeit der Welt sichtbar zu machen. Doch jetzt sitzt da ein freundlicher Neuntklässler und bündelt all das in seinem fröhlichen Grinsen. Eine neue Generation, Schülerinnen und Schüler, für die das Internet nicht neu, sondern selbstverständlich ist. Junge Menschen, die (womöglich) lösen werden, was vielen Älteren heute unlösbar erscheint. Wir vergessen das manchmal, weil wir einzig unsere Sozialisation zum Maßstab erheben (und dann wehmütig werden) statt hoffnungsvoll auf die Zukunft zu schauen – in dem Sinn, in dem Rebecca Solnit von der Zukunft spricht.

Ich höre, wie ich ein paar fröhliche Bemerkungen mache, in der Hoffnung, Zeit zu gewinnen – um vielleicht doch herauszufinden, welchem jungen Mann aus den 1990er Jahren dieser junge Mann aus der neunten Klasse 2018 ähnlich sieht. In meinem Kopf tauchen Bilder von Abifeiern und Klassenfahrten auf. Es wird gesungen und getrunken und ich sehe Mitschüler, in denen ich damals so wenig Familienväter erkannte wie die heutigen Neuntklässler in mir einen erkennen, der doch gerade noch selber auf diesen Stühlen hockte und sich fragte, wann er hier rauskommt.

Als er das Verwandtschaftsverhältnis auflöst, denke ich das erste Mal seit Jahren wieder an den Mitschüler. So wie ich in diesen sechs Stunden auf den Fluren, im Lehrerzimmer und auf dem Schulhof, das erste Mal seit Jahren wieder an meine Schulzeit denke. Dass ich das tue, liegt an Henriette Löwisch, der Schulleitern der Deutschen Journalistenschule (DJS). Als sie unlängst das Amt der Schulleiterin übernahm, brachte sie die Idee zum Projekt #journalistenschule auf. Absolvent*innen der DJS besuchen ihre alten Schulen und sprechen dort über ihren Beruf. Die meisten Kolleg*innen werden das am 3. Mai tun – dem Tag der Pressefreiheit. Sie werden dort tun, was ich (u.a. wegen #rp18-Terminproblemen) schon heute tat: Davon berichten, wie wichtig die freie Presse ist, Grundlagen des Berufs vorstellen und die Stimme erheben gegen Menschen, die Lügenpresse rufen und Fake-News verbreiten.

Wir haben dazu am Gymnasium Broich in Mülheim an der Ruhr ein WhatsApp-Spiel gespielt. Die Schüler*innen sollten mich ihrer Klassen-WhatsApp-Gruppe vorstellen – über biografische Details, die sie beurteilen mussten: Stimmt das oder stimmt es nicht? Und wie findet man heraus, ob Gerüchte wahr sind oder gefälscht? Wie findet man verlässliche Quellen?

Darauf aufbauend haben wir darüber gesprochen, dass im Netz auch die Frage immer wichtiger wird, welche Rolle wir als Nutzer einnehmen. Deshalb haben wir anschließend ausführlich über das Projekt #gegendiepanik gesprochen – in dem wir nach der Paniknacht vom OEZ in München Regeln formulierten, wie man sich gegen Social-Media-Panik wappnen kann. Zwischendurch haben wir ein Rap-Video angeschaut und über die verwirrenden Möglichkeiten der Bildbearbeitung gesprochen.

Das hat Spaß gemacht und hat nicht nur mein Bild auf „früher“ herausgefordert. Es hat mir vor allem gezeigt: Im Umgang mit dem, was wir manchmal „neue Medien“ nennen sind sich Schüler*innen und Schüler und die Generation ihrer Eltern ähnlicher als sie denken. Sie lernen gerade gemeinsam den richtigen Umgang (#smarterphone), das ist nicht immer einfach – aber alles andere als das Ende.